Zukunftssicherung des Vereinslebens

Ein offener Brief

an alle Fürther Bezirksrät*innen, Landtagsabgeordnete und Bundestagsabgeordnete

Zukunftssicherung des Vereinslebens

Sehr geehrte Damen und Herren,

unter den Kontaktbeschränkungen seit 21. März leiden neben der Wirtschaft auch die Kinder- und Jugendarbeit. Am 6. Mai beschloss die Bundeskanzlerin in der Telefonkonferenz mit den Regierungschefs der Länder, dass letztere „in eigener Verantwortung vor dem Hintergrund des jeweiligen Infektionsgeschehens und landesspezifischer Besonderheiten über die schrittweise Öffnung der Freizeit- und Bildungseinrichtungen mit Auflagen auf der Grundlage von gemeinsamen Hygiene- und Abstandskonzepten der jeweiligen Fachministerkonferenzen entscheiden“. Darunter fallen nach Erachten des Deutschen Bundesjugendrings auch „die meisten Maßnahmen und Angebote der Kinder- und Jugendarbeit“.

Diesen Brief möchten wir in Vertretung unserer 29 Mitgliederverbände und -vereine in Fürth nutzen, um auf die gravierenden Folgen der Covid-19-Krise für die verbandliche Jugendarbeit hinzuweisen.

Unsere Mitgliederverbände / -vereine berichten von existenziellen Sorgen, da auch sie von den Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen betroffen sind. Auch sie mussten von einem auf den anderen Tag ihre Vereinstätigkeiten teils vollständig einstellen. Die wöchentlichen Betreuungs- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche von etwa 1.200 Ehrenamtlichen, die im Stadtjugendring Fürth organisiert sind, mussten fast ersatzlos gestrichen werden. Wenn KiTas und Schulen wieder geöffnet werden, sollten auch unter gleichen Bedingungen die wöchentlichen Kleingruppen-Treffen möglich sein.   

Das generelle Veranstaltungsverbot seit 21. März und nun auch bis in den Sommer gefährden das vielfältige Vereinsleben in Fürth. Auch nach Corona könnte so das wöchentliche sowie tageweise Freizeit- und Betreuungsangebot langfristig immens darunter leiden.         
Im Austausch mit unseren Mitgliedern wurde auch vielfach die unsichere Informationslage genannt, die sowohl die wöchentlichen Gruppenstunden als auch Lager und Freizeiten weit in der Zukunft betrifft.  Gerade hier drohen durch die Absage von Sommerfreizeiten wie Zeltlager, Jugendfahrten oder schlicht Tagesangeboten und die fehlende Teilnahme an Dorffesten und Kirchweihen enorme Einnahmeausfälle und Möglichkeiten zur Werbung für das Ehrenamt. Diese bedrohen auch zukünftige Angebote, auf die gerade Eltern zu Ferienzeiten hoffen. Letztes Jahr wurden 785 Kinder und Jugendliche durch von uns bezuschusste Maßnahmen allein bei Sommerangeboten betreut.

Insbesondere um Familien zumindest zu Ferienzeiten entlasten zu können, braucht es endlich nicht nur Konzepte für den wirtschaftlichen Tourismus, sondern auch Möglichkeiten, Kinder- und Jugendfreizeiten im Sommer innerhalb von Deutschland oder der Region zuzulassen. So können auch die bisher stark belasteten Eltern unterstützt werden. Familien aus prekären Verhältnissen träfe ein Ausfall der Sommerfreizeiten besonders hart, da hier auch im Regelfall ein teurer Urlaub nicht denkbar ist und die kostengünstigen Angebote aus der verbandlichen Jugendarbeit oft die einzig finanzierbaren Alternativen sind.

Neben den Sommerfreizeiten bedeutet der Ausfall der wöchentlichen Gruppenstunden einen schmerzlichen Wegfall fester Gemeinschaften und sozialer Kontakte, die die Kinder und Jugendliche im Sinne der verbandlichen Jugendarbeit bis zu den Kontaktbeschränkungen über einen langen Zeitraum hinweg begleitet haben. Dieses soziale Netz ist ein wesentlicher Bestandteil der kindlichen Entwicklung und die Beschränkung dieses Grundrechts angesichts der vielen Lockerungen nur noch schwer zu erklären.

Wann können dafür gemeinsam mit der Politik Hygiene- und Schutzmaßnahmen für diese dringend benötigten Freizeit- und Betreuungsangebote entwickelt werden? Vorschläge gibt es von Seiten der Verbände und Vereine. Darüber hinaus sind die langfristigen Folgen für das ehrenamtliche Engagement noch nicht abschätzbar!

Wir bitten Sie in Ihrer Position sich für diese Anliegen der verbandlichen Jugendarbeit stark zu machen. Es braucht endlich eine Perspektive für die vielen Ehrenamtlichen, die zahlreichen Familien, die auf die Angebote zählen und diese in ihre Pläne miteinbezogen haben und die Kinder und Jugendlichen, die sich nach den engen Gemeinschaften in der Verbänden sehnen. Sollten diese ausfallen, drohen langfristige wirtschaftliche und soziale Schäden für unsere vielfältige Vereinskultur.

Vielen Dank schon im Voraus für Ihre Unterstützung.

 

Mit freundlichen Grüßen

Corinna Kruckenberg, Vorsitzende